Kategorien
Allgemein

3,5 Jahre Krieg, ungebrochene queere Solidarität:

Zum 34. Unabhängigkeitstag veröffentlicht die Queere Nothilfe Ukraine ihren ersten Bericht zur Unterstützung in der Ukraine

The press release is also available in English

Berlin, 24. August 2025 – Zum 34. Unabhängigkeitstag der Ukraine veröffentlicht das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine (QNU) einen umfassenden Tätigkeitsbericht. Der Zusammenschluss von LSBTIQ+-Organisationen aus Deutschland hat sich 2022 am ersten Tag nach Kriegsbeginn als direkte Reaktion auf die humanitäre Notlage queerer Menschen gegründet. Denn queeres Leben ist im Krieg besonders bedroht: durch strukturelle Ausgrenzung, Unsichtbarkeit und konkrete Gefahr für Leib und Leben. Der Bericht für die Jahre 2022 bis 2024 dokumentiert diese Hilfe, beleuchtet die besonderen Bedarfe queerer Menschen im Krieg und zeigt, was es bedeutet, wenn queere Menschen einander nicht alleinlassen.

Seit dem Ausbruch des russischen Angriffskrieges ist die 1991 von der Sowjetunion erlangte Unabhängigkeit der Ukraine erneut akut bedroht. In einem Referendum im Dezember 1991 hatten über 90 % der Bevölkerung die staatliche Eigenständigkeit bekräftigt. Heute, am 24. August 2025, über 30 Jahre später, werden die territoriale Integrität und staatliche Souveränität des Landes durch den Krieg massiv infrage gestellt.

Der Kampf um Unabhängigkeit und Selbstbestimmung ist existenziell und vielschichtig

Für queere Menschen in der Ukraine ist der Wunsch nach Unabhängigkeit – und die Bedrohung eben jener – nicht nur ein geopolitisches Anliegen. Es ist, wie Oleksandra Semenova, Koordinatorin und stellvertretende Leiterin der ukrainischen LSBTIQ+-Hilfsorganisation You Are Not Alone, einer Partnerorganisation von QNU, erklärt: “eine zutiefst persönliche und politische Erfahrung“.

Die langjährige Auseinandersetzung queerer Menschen mit Ausgrenzung, Sichtbarkeit und Rechten spiegelt sich nun in einem größeren politischen Kontext wider. Gleichzeitig verschärft sich ihre Bedrohungslage, indem die gesellschaftliche Marginalisierung und Gewalt drastisch zunehmen. Dazu sagt Semenova weiter:

“Es ist ein Tag, an dem wir uns bewusst machen, dass unser Kampf um Unabhängigkeit viele Ebenen hat. Wir wehren uns nicht nur gegen einen äußeren Feind – wir kämpfen auch für das Recht, wir selbst sein zu dürfen in unserer eigenen Gesellschaft: sichtbar zu sein, sicher zu leben, ohne Angst zu existieren.”

Oleksandra Semenova, You Are Not Alone

Ungebrochene Solidarität: Großzügige Spendenbereitschaft aus der queeren Community und ihren Allys

Seit 3,5 Jahren arbeitet das Bündnis dafür, queeren Menschen in und aus der Ukraine konkrete Hilfe zu leisten und langfristige strukturelle Veränderungen zu fördern. Allein im ersten Jahr hat das Bündnis 800.000 Euro gesammelt – eine in diesem Umfang bislang einzigartige LSBTIQ+-spezifische Spendenaktion in Deutschland.

Zum Tag der ukrainischen Unabhängigkeit legt QNU nun seinen Tätigkeitsbericht für die Jahre 2022–2024 vor, um Bilanz zu ziehen, Einblicke zu bieten und Sichtbarkeit zu schaffen.

Der Bericht macht deutlich, wie QNU gemeinsam mit tausenden engagierten Unterstützer*innen Hilfe für queere Menschen in und aus der Ukraine leisten konnte. Getragen wird all das von Solidarität: Seit der Gründung wird das Projekt von leidenschaftlich engagierten Menschen aus der queeren Community ehrenamtlich vorangetrieben – von Menschen, die sich an die Seite der ukrainischen Verbündeten gestellt haben. Zu ihnen gehört Pavlo Stroblja, Gründer von Queermentor, der seit Jahren eine maßgebliche Rolle im Bündnis spielt:

„Als queerer Ukrainer weiß ich, was es heißt, um Sichtbarkeit und Sicherheit zu kämpfen – nicht nur politisch, sondern existenziell. Der Krieg trifft queere Menschen doppelt: Wir verteidigen unsere staatliche Unabhängigkeit – und zugleich unser Recht, als wir selbst zu leben. Wenn unsere Identität angegriffen wird, antworten wir mit Integrität. Reclaiming ist unser Weg aufzustehen – und andere mit uns zu tragen. Die Queere Nothilfe Ukraine steht für genau das: für gelebte Solidarität, für Schutzräume im Ausnahmezustand, und für eine Zukunft, in der Unabhängigkeit auch für queere Menschen zählt.“  

– Pavlo Stroblja, Queermentor und TEDx Speaker

Mehr als Partnerschaft: Internationale Zusammenarbeit mit Wirkung vor Ort 

Eine ukrainische Partnerorganisation, die QNU in den vergangenen Jahren finanziell fördern konnte, ist die Menschenrechtsorganisation Gender Zed. Durch die Kooperation konnten unter anderem der Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten über ein Apotheken-Zertifikatssystem gesichert, psychologische Beratungen in der Region Saporischschja angeboten sowie Umzugs- und Wohnkosten für evakuierte Mitarbeitende übernommen werden.

Für Gender Zed war diese Zusammenarbeit mehr als nur eine Partnerschaft – sie wurde zu einem echten Beispiel internationaler Solidarität, basierend auf Vertrauen, Flexibilität und einem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse der LGBTQ+-Community in Kriegszeiten.

– Rostyslav Milevskjy, Gender Zed

Die Lage ist weiterhin ernst – Unterstützung bleibt unerlässlich

Trotz enormer Solidarität, überwältigender Spendenbereitschaft von der Community und Allys sowie eines gewachsenen Partnernetzwerks bleibt die Lage vieler queerer Menschen in der Ukraine und auf der Flucht prekär. Der Krieg dauert an – ebenso wie die Notwendigkeit konkreter Hilfe und nachhaltiger Strukturförderung.

Wer spenden und queere Menschen in und aus der Ukraine weiterhin unterstützen möchte, findet alle notwendigen Informationen auf der Spendenseite der QNU.

Mehr Informationen, Zahlen und Einblicke finden Sie in dem Tätigkeitsbericht 2022–2024.

Über das Aktionsbündnis

Das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine ist ein Zusammenschluss verschiedener Organisationen aus der LSBTIQ*-Community in Deutschland. Es unterstützt queere Menschen, die aus der Ukraine fliehen mussten oder noch im Land sind. Unter diesem Link finden Sie eine Übersicht der beteiligten Organisationen, Petitionsunterzeichner*innen sowie Bildmaterial und weiterführende Informationen.

Bei Rückfragen oder Interview-Anfragen wenden Sie sich bitte an:

Louise Juhl | presse@queere-nothilfe-ukraine.de