Bei großer Zerstörung zählen die kleinen Dinge.

Seit Beginn der russischen Vollinvasion gilt der Winter als eine extrem kritische Phase für die Menschen in der Ukraine. Die russischen Streitkräfte nutzen die ohnehin harten Wetterbedingungen und die herrschenden Minusgrade und verüben einen gezielten Kälteterror, indem sie Angriffe auf Energie- und Versorgungsinfrastruktur durchführen.

Zwischen Oktober 2025 und März 2026 zählte die UN mindestens 423 Angriffe auf Stromanlagen und 74 auf Heizkraftwerke. Millionen Menschen hatten zeitweise nur wenige Stunden Strom am Tag, bei Temperaturen unter –20 Grad. Laut UN lässt sich die verlorene Erzeugungskapazität nicht vor dem kommenden Winter wiederherstellen, sodass das Risiko weiterer, großflächiger Ausfälle hoch bleibt.

Was das im Alltag bedeutet, zeigen die Menschen, mit denen unsere Partnerorganisationen arbeiten. Kaya, eine trans Frau aus der Region Kyjiw, lebt mit ihrer Mutter, kann durch ihr Einkommen kaum die Nebenkosten decken – findet jedoch keine andere Arbeit aufgrund von Vorurteilen gegenüber ihrem Äußeren. Sie muss entscheiden, ob sie mit dem knappen Geld Medikamente, Essen oder Feuerholz kauft.

Marta und Alina, ein lesbisches Paar auf der Flucht, wurde im Aufnahmezentrum ein gemeinsames Zimmer verweigert, weil sie „laut Papieren keine Familie“ sind – und erhielten dadurch auch weniger humanitäre Hilfe.

Weitere konkrete Einblicke in die Situation gibt es hier.

Eine humanitäre Inklusionslücke

Die kalte Krisenzeit trifft queere Menschen besonders – wegen hartnäckig verwurzelter Vorurteile und struktureller und rechtlicher Diskriminierung, und weil sie im humanitären System – aufgrund von gegenseitigen Wissens- und Verständnisklüften – strukturell kaum berücksichtigt werden. Das belegt die Studie „Advocating For LGBTIQ Inclusion in Ukraine’s Humanitarian Response“ von Outright International (2025): Bis vor Kurzem erfasste das UN-Cluster-System gar keine Daten zu den Bedürfnissen von LGBTIQ+-Personen im Kriegskontext. Erst durch gezielte Advocacy-Arbeit gelang es, sie überhaupt in den offiziellen humanitären Plan der Ukraine aufzunehmen. 

Genau diese Lücke bei der Bedarfsdeckung und humanitären Einbeziehung schließen Organisationen wie unsere Partner*innen vor Ort jeden Tag mit direkter, community-gerechter Hilfe.

Wenn Handyaufladen und Warmbleiben den entscheidenden Unterschied machen

Oleg Aljochin, Vorsitzender unserer Partnerorganisation LIGA, sagt: Es reiche nicht, in diesem Jahr nur davon zu sprechen, „durch den Winter zu kommen“ – es gehe auch darum, Menschen ein Grundmaß an Selbstbestimmung und Widerstandsfähigkeit zu verschaffen. Er trifft damit einen prekären Punkt: dass die anhaltende Invasion zunehmend auch psychisch zermürbend wirkt und zu einer Frage des mentalen Überlebens wird.

Dabei werden Dinge, die sonst selbstverständlich sind, auf einmal essenziell: das Aufladen vom Handy, wenn der Strom seit Stunden weg ist, warm bleiben, wenn die Heizung ausfällt, Zugang zu heißem Wasser, wenn nichts mehr sicher ist. Diese anscheinend kleinen Dinge machen genau den Unterschied zwischen körperlicher Notlage und dem Gefühl der Handlungsfähigkeit.

Allerdings spielt die Zeit dabei auch eine verunsichernde Rolle: Wegen steigender Nachfrage und Lieferengpässe wird solche Winterausrüstung schon jetzt teurer und knapper. Diese Schwankungen erschweren nicht nur die Planung, sondern schaffen zusätzliche mentale Unsicherheit.

Wir können was tun – Wie Du unterstützen kannst

Deshalb bitten wir jetzt um Unterstützung. Durch unsere ukrainischen Partnerorganisationen kann sie konkret und wirksam eingesetzt werden:

  • Mit 20 € ermöglichst du eine Powerbank, damit jemand erreichbar bleibt, wenn der Strom ausfällt.
  • Mit 130 € ein komplettes Winter-Kit für eine Person: Powerbank, Heizdecke, Thermoskanne, Thermounterwäsche.
  • Mit 300 € deckst du die Grundbedürfnisse einer Person für über einen Monat.

Die genannten Beträge sind Beispielwerte, basierend auf aktuellen Kosteneinschätzungen unserer Partner vor Ort.

Jede Spende trägt – egal ob 20, 300 oder 1000 Euro – dazu bei, die Resilienz und das Handlungsvermögen queerer Menschen auch durch den Winter zu sichern.

Hier kannst du ganz einfach über unser Online-Spendenformular spenden:

Quellen:

United Nations: “UN report details increase in civilian deaths amid systematic strikes on energy facilities” (Pressemitteilung)

United Nations: “Attacks against Ukraine’s energy infrastructure and update on the human rights situation in Ukraine, 1 December 2025 – 31 May 2026” (Bericht)